Geldanlage / Private Finanzen

Anlagemöglichkeiten für den Risiko-Teil des Portfolios

Teil 5 der Serie zum Aufbau des persönlichen Portfolios


Im vorigen Teil haben wir gesehen, wie wir den sicherheitsorientierten Teil unseres Portfolios anlegen können. Nun wollen wir uns den risikoreichen Assets widmen. Diese sind für den langfristigen Erfolg meines Erachtens wichtiger, und hier gibt es auch deutlich mehr schwerwiegende Stolpersteine, denen man unbedingt ausweichen sollte.


Wesentlicher Baustein des Risiko-Teils unseres Depots sollten Aktien sein, und zwar möglichst gut diversifiziert, um sich vor Einzelaktien-, Länder- und Branchenrisiken zu schützen. Diese Risiken einzugehen wäre sinnlos, weil sie nicht mit einer zu erwartenden Mehrrendite belohnt werden.

Je nach Lust und Vermögenshöhe sehe ich zwei sinnvolle Möglichkeiten, international gestreute Aktien im Depot abzubilden:

Wichtig ist in beiden Fällen, daß die Regionen disjunkt sind, das heißt, daß man sich keine Region zweimal ins Depot legt. Zum Beispiel sollte man auf keinen Fall einen Deutschland-Fonds und einen Europa-Fonds kombinieren, oder einen Europa-Fonds mit einem Welt-Fonds.

Der Vorteil der zweiten Variante liegt darin, daß man die Gewichtung der einzelnen Regionen besser steuern kann und dabei vielleicht noch eine Mehrrendite durch Rebalancing (dazu in einem späteren Artikel mehr) einstreicht. Die erste Variante hat den Vorteil, daß sie mit weniger Fonds abzubilden ist und dadurch geringere Kosten verursacht, was insbesondere bei geringerem Depotvolumen von Vorteil ist.

Das wichtigste ist meines erachtens, daß man möglichst weltweit streut, und dabei einen breiten Index abbildet, also keine gezielten Wetten auf oder gegen bestimmte Unternehmen, Branchen oder Länder. Das ganze sollte dann so kostengünstig und sicher wie möglich sein, womit man meines Erachtens unweigerlich bei ETFs landet. Von Zertifikaten und ähnlichem würde ich pauschal abraten, da sie nur Inhaberschuldverschreibungen sind und damit ein Emittentenrisiko beinhalten.

Auf diese Weise können wir mit nur zwei Produkten den wichtigsten Teil des Risiko-Depots abbilden. Wer es gerne feiner mag, kann natürlich noch weiter diversifizieren. Wichtig dabei ist, daß man mit jeder hinzugenommen Position auch wirklich diversifiziert, und sich kein Klumpenrisiko ins Depot holt. Negative Beispiele und deswegen nicht zu empfehlen wären hier zum Beispiel gezielte Branchen-, Regionen- oder Themenfonds. Das oben genannte Depot mit einem Deutschland-Fonds, einem BRIC-Fonds oder einem Pharma-Fonds zu mischen wäre eben keine Diversifikation, weil all diese Regionen bereits im Depot abgebildet waren. Sie überzugewichten wäre eine Wette, keine Risikostreuung.

Positive Beispiele für weitere Diversifikation


Weitere sinnvolle Diversifikationsmöglichkeiten fallen mir nicht ein. Aber ich glaube, daß man sich mit diesen Instrumenten bereits ein gutes bis sehr gutes Depot aufbauen kann. Zumindest eines, daß im Kreise aller Kleinanleger zu den besten gehören dürfte.

Das Wichtigste nochmal kurz gefasst


Hier nochmal die meines Erachtens wichtigsten Punkte kurz und bündig:

Im kommenden Artikel möchte ich darauf eingehen, wie das Depot über die Jahre hinweg gepflegt werden muss, und in einem abschließenden Teil, wie die ganze Strategie bei mir konkret aussieht.

Weitere Artikel zum Thema:
     Wie baue ich mein persönliches Portfolio auf?
     Liquiditätsreserve - wie hoch sinnvoll?
     Die Asset-Allokation - Top Down
     Anlagemöglichkeiten für den sicherheitsorientierten Teil des Portfolios
     Die Depotentwicklung während des eigenen Lebenszyklus
     Mein persönliches Portfolio



30. September 2012, zurück zur Startseite. Admin: Artikel editieren



Kommentare

Von Holger (URL) am 01.10.2012.
Hallo Christoph,

fast volle Zustimmung. Was Du nur angedeutet hast, m. E. aber sehr interessant ist: Inwiefern ist die vollständige Abbildung des Aktienmarktes mittels eines einzigen marktkapitalisierungsgewichteten Index problematisch?

Und: Wären deshalb vielleicht ETFs auf einzelne Regionen eine gute Alternative (wenn Du ohnehin schon auf Small-Cap-ETFs auf diese Regionen setzt)?

Viele Grüße
Holger

Von Christoph (URL) am 01.10.2012.
Hallo Holger,
wo schreibe ich denn, daß das problematisch ist? Im Gegenteil, bei kleineren Depots halte ich das für die beste Lösung.
Und die Regionen einzeln abzubilden halte ich ab einem bestimmten Depotvolumen für sinnvoll, ja. Man brockt sich dadurch eben höhere Handelskosten ein, und erhält dafür die Chance auf eine Rebalancing-Rendite.

Irgendwann will ich mich mal genauer damit beschäftigen, ab welchem Depotvolumen welche Feingranularität sinnvoll wird. Daß ich mich zur Abbildung von Large Caps für einen MSCI World ETF und gegen ETFs auf Europa, USA und Asien/Pazifik entschieden habe, war zugegeben ganz schön willkürlich. Viele Argumente habe ich weder dafür noch dagegen.

Bei Small Caps habe ich mich für die einzelnen Regionen nur deswegen entschieden, weil ich keinen globalen SmallCap ETF gefunden habe.

Ich hoffe, das beantwortet die Frage (welche ich nicht so ganz verstanden habe) zumindest teilweise?

Und für abweichende Argumente pro oder contra MSCI World versus Regionen-ETFs habe ich übrigens gerne ein offenes Ohr.

Viele Grüße, Christoph

Von Holger (URL) am 01.10.2012.
Hallo Christoph,

dann hatte ich die Passage mit der Rebalancing-Rendite wohl überinterpretiert. Ich habe auf das (angebliche?) Problem mit der Prozyklik marktkapitalisierungsgewichteter Indizes angespielt. Richtige Argumente dafür oder dagegen habe ich aber nicht. Allerdings wäre es in der Tat sehr spannend zu wissen, an welchem Punkt die (erwartete) höhere Rebalancing-Rendite die Kosten-Nachteile ausgleicht.

Von Anonymous am 01.10.2012.
Beachte, dass Regionen außerhalb Europas erhebliche Fremdwährungsrisiken tragen. Europa sollte daher ein deutliches Übergewicht bekommen, etwa 45% MSCI Europe (oder DJ Stoxx 600), 40% MSCI World (im Bewusstsein, dass da auch noch Europa drin ist), 15% Emerging Markets. Rohstoffe gehören nicht in den Risiko-Teil des Portfolios, auch nicht den sicheren, sondern in den Rücklagenteil zur Absicherung zukünftiger Ausgaben, und nur für Anleger, die besonders hohen Rohstoffverbrauch haben. Normalanleger sollten inflationsgesicherte Anlagen nehmen (inflationsindexierte Bundesanleihen oder bei kleineren Vermögen Bundesschatzbrief/Zuwachssparkonto). Die sind quasi ein Indexzertifikat für ein extrem breit gestreutes Rohstoff- und Produktportfolio. Anleger sollten aber bedenken, dass das zukünftige gesamte Arbeitseinkommen selbst quasi inflationsindexiert ist und in jungen Jahren den dominierenden Anteil des Gesamtvermögen ausmacht, und dies erst zur Rente hin nicht mehr ausreicht, um die zukünftigen Ausgaben abzusichern. Die Ausführungen zu Immobilien sind durchgängig richtig. SmallCaps sind nur für größere Vermögen sinnvoll, ebenso wie Regionen. Die Einzelregionen-ETFs sind verwaltungskostenmäßig etwas günstiger, aber natürlich sind dann die Transaktionskosten höher. Man kann ab 100.000 EUR im riskanten Portfolioanteil darüber nachdenken. Da wären wir aber schon bei ganz erheblichen Summen, was das Finanzvermögen angeht...

Von Anonymous am 01.10.2012.
Ich möchte im übrigen nochmal betonen, dass es so etwas wie eine "Rebalancing-Rendite" nicht gibt. Es handelt sich dabei um ein rein stochastisches Phänomen der Wertentwicklung, nicht der Rendite. Dabei wird die Wahrscheinlichkeitsverteilung des stochastischen Vorgangs modifiziert. Man *opfert* dabei die niedrige Wahrscheinlichkeit für extrem hohe Wertgewinne für die erhöhte Wahrscheinlichkeit von etwas besseren Wertgewinnen im Vergleich zum Portfolio ohne Rebalancing. Es gibt dabei also nichts umsonst!

Von Woody am 02.10.2012.
Der primäre Sinn des Rebalancings sollte ja auch in erster Linie nicht der Gewinnoptimierung, sondern der Risikoanpassung dienen. Die ursprüngliche, dem persönlichen Risikoempfinden geschuldete Asset Allocation wird schließlich wieder hergestellt.

Dass Rebalancing einen zusätzlichen Gewinn erzeugen kann, ist allerdings meiner Meinung nach nicht von der Hand zu weisen. Schließlich wird in volatilen Märkten immer in das Asset investiert (umgeschichtet oder nachgekauft), das in der Vergangenheit weniger stark performed hat und daher im Verhältnis "als günstig" einzustufen ist.

Zum Thema World-ETF vs. 3xRegionen-ETFs:
Bei etwas größeren Gesamtanlagen kann das Thema Rebalancing durch zusätzliche Anlagen (<1000) problemlos sein. Als Beispiel sei die Fondsplattform Ebase genannt, die ggü. einem Anbieter wie z.B. der Diba zwar weniger ETFs anbietet, jedoch volumenabhängige Gebühren verlangt (0,25% des Investitionsbetrags), d.h. keine Grundorderkosten verlangt. (Ich glaube 5 oder 10 Euro werden bei der Diba pro Order per se verlangt.) Nur mal so als Anregung.

Von Anonymous am 03.10.2012.
Woody,

"nicht der Gewinnoptimierung, sondern der Risikoanpassung" Weder noch. Es dient der Erwartungsnutzenoptimierung. Diese hat Gewinnerwartung, Risikoerwartung und Risikoaversion als Paramter.

"Dass Rebalancing einen zusätzlichen Gewinn erzeugen kann, ist allerdings meiner Meinung nach nicht von der Hand zu weisen" Nochmal: Du bezahlst das mit der ebenfalls nicht von der Hand zu weisenden Tatsache, dass Rebalancing auch einen geringeren Gewinn erzeugen kann. Du opferst Gewinne in manchen Situationen um dafür in anderen Situationen mehr zu bekommen. Mit günstig hat das nichts zu tun. Es ist ein rein mathematisch-stochastischer Effekt, hat mit "günstig" nichts zu tun. Ich kann das nur wiederholen.

Von Woody am 03.10.2012.
Anonymous,

ich fürchte, wir wollen mit unseren Worten bzgl. des Rebalancingnutzens das gleiche zum Ausdruck bringen. So eloquent und augenscheinlich finanzmathematisch vorgebildet wie Du konnte ich es aber nicht zum Ausdruck bringen.

"Du opferst Gewinne in manchen Situationen um dafür in anderen Situationen mehr zu bekommen." Ja, klar. Liesse ich die Gewinne in der übergewichteten Anlage A liegen und Anlage A nimmt weiter im Wert zu, so würde ich größere Gewinne erzielen.
Leider fällt zumindest mir es schwer im Vorhinein zu sagen, ob Anlage A zum Zeitpunkt eines potentiellen Rebalancingtermins weiter steigen wird oder doch demnächst einen "Sinkflug hinlegen" wird. Daher erscheint es mir plausibel, gelegentlich die ursprüngliche prozentuale Aufteilung der Anlagen wieder anzusteuern und entweder die gestiegenen Anteile der Anlage A in die weniger gestiegenen Anteile der Anlage B zu verschieben (was zusätzliche Kosten verursacht und daher wohl überlegt sein sollte) oder vermehrt Anteile der Anlage B zu kaufen.
Ob Rebalancing sich lohnt, hängt vom Zeitpunkt des Umschichtens, vom zukünftigen Kursverlauf der Einzelanlagen und sicher auch von den Transaktionskosten ab. Diskutiert wurde das übrigens auch anderort (z.B. http://www.wertpapier-forum.de/topic/38587-rebalancing-zweimal-im-jahr-mit-jeweils-unterschiedlicher-risikoaufteilung/). Ich denke, das braucht im Kommentar hier nicht nochmal wiederholt werden. Christoph will die Pflege seiner Anlage ja auch noch in einer eigenen Folge separat behandeln :-).

Für mich persönlich ist Rebalancing übrigens eine psychologische Hilfe in Form einer einfachen Regel, in welche Anlage ich bei Neuinvestition mein Geld stecken sollte. Aber jeder darf natürlich für sich selbst entscheiden, ob er sich einem solchen Korsett aussetzen will.

Von Anonymous am 03.10.2012.
Woody, ich sage nicht, dass Rebalancing schlecht oder falsch ist. Ich betone nur, dass Deine Erklärung dafür meines Erachtens nicht stimmt. Daraus, dass Du die zukünftigen Kurse nicht kennst, wird eben noch nicht plausibel, dass Du umschichten solltest. Du sagst "Ob Rebalancing sich lohnt, hängt vom Zeitpunkt des Umschichtens, vom zukünftigen Kursverlauf der Einzelanlagen und sicher auch von den Transaktionskosten ab." Ich kann dem nicht zustimmen. Die Erwartungsnutzenoptimierung bei Anwendung des Standardmodells (random walk) ergibt *eindeutig*, dass Rebalancing sich lohnt. Es erhöht den Erwartungsnutzen. Transaktionskosten können in diesem Optimierungsproblem auch berücksichtigt werden (siehe http://en.wikipedia.org/wiki/Merton%27s_portfolio_problem#Extensions ab "Transaction costs can be introduced"). Man erhält dann eine Formel, die einem sagt, bei welcher prozentualen Abweichung man bei gegebenen Transaktionskosten optimalerweise eine Umschichtung vornehmen sollte. Wenn wir die mathematischen Sachverhalte betrachten, und etwas genauer anschauen, dann ist das ganze relativ klar und man braucht keine psychologische Hilfe. Psychologische Hilfe heißt ja nur, dass man es noch nicht ganz nachvollzogen hat. Dann wäre ich vorsichtig ob ich überhaupt riskant anlege. PS: Ich hab keine finanzmathematische Vorbildung und bin da auch überhaupt nicht vom Fach... Ich schau mir nur die Dinge immer etwas sorgfältiger an und lese die Standardliteratur; viele machen sich diese Mühe nicht. PPS: In dem von Dir verlinkten Forum wird der Begriff Erwartungsnutzen kaum je erwähnt, stattdessen kann man die dort vertretenen Ansätze weitestgehend als Maximierung geometrischen Rendite verstehen. Dieser Ansatz ist zwar extrem populär, gerade unter Hobbyinvestoren (auch in der Literatur), aber er ist falsch: "Our analysis enables us to dispel a fallacy that has been borrowed into portfolio theory from information theory of the Shannon type. Associated with independent discoveries by J. B. Williams [16], John Kelly [2], and H. A. Latane [3] is the notion that if one is investing for many periods, the proper behavior is to maximize the geometric mean of return rather than the arithmetic mean. I believe this to be incorrect (except in the Bernoulli logarithmic case where it happens I to be correct for reasons quite distinct from the Williams-Kelly-Latane reasoning)." (http://www.wiwi.uni-muenster.de/05/download/studium/stodynopt/literature/Samuelson1969.pdf)

Von Christoph (URL) am 04.10.2012.
Hallo,
Anonymous, ich bin mir nicht sicher, ob Deine sehr starke Übergewichtung von Europa (absichtlich nicht Euroland?) nur aufgrund der Währung sinnvoll ist. Du vermeidest dadurch Währungsrisiko und holst Dir dafür ein Regionenrisiko, welches ich nicht unterschätzen würde.
Mit diesem Argumtent hätte man vor der Euro-Einführung ja eine sehr starke Übergewichtung von Deutschland haben müssen. Und was empfiehlst Du jemandem, der in einem kleineren Staat mit eigener Währung wohnt?
Zudem halte ich das tatsächliche Währungsrisiko bei Large Caps, welche in der Regel international (häufig weltweit) agieren, für deutlich kleiner, als es uns die Kursdaten sagen wollen.

An Woody:
Erstmal hallo und Danke, daß Du Dich hier zu Wort meldest.
Neben den mathematischen Aspekten von Rebalancing, welche Ihr ja schon weitgehend ausdiskutiert habt, möchte ich nochmal Deinen Hinweis auf die psychologische Hilfe hervorheben. Diese ist meines Erachtens in der Tat enorm. Gerd Kommer verwendet im Zusammenhang mit passiven Investmentansätzen gerne das Wort "Seelenfrieden"; genau diesem kann man meines Erachtens mit regelbasiertem Rebalancing in der Tat ein Stückchen näher kommen.

Viele Grüße, Christoph

Von Anonymous am 04.10.2012.
Christoph, ich sage ja nicht, dass man alles in Europa stecken soll. Natürlich muss man das gegen das Regionenrisiko abwägen, gleichzeitig einbeziehen, dass europäische Aktien auch international Erträge erzielen, und beachten, dass das auch irgendwie praktisch realisierbar bleiben muss. Unterm Strich kommt man dann ungefähr bei der von mir genannten Aufteilung raus. Du sagst, man darf das Regionenrisiko nicht unterschätzen. Ja. Aber man darf das Währungsrisiko eben auch nicht unterschätzen. Schau Dir die Wechselkurse an, das geht schon schon ganz erheblich hin und her. Europa vs. Euroland: Ja, aber die Auswahl an breit streuenden Euroland-ETFs ist leider ziemlich dürftig. Kleinerer Staat: Es kommt drauf an, welche Bonität der Staat genießt, d.h. ob seine Währung stabil ist. Ich würde mich an der Währung des nächstgelegenen stabilen Staates/Wirtschaftsraums orientieren. Deutschland vor Euro: Ja, da Deutschland als Staat stabil war, hätte man es übergewichtet. Gäbe es einen breit streuenden Gesamtmarktindexfonds für Deutschland, würde ich sogar heute noch sagen, statt 45% Europa besser ungefähr 25% Deutschland plus 20% Europa ex Deutschland. Denn es gibt noch keine Eurobonds, und somit existiert die D-Mark und die anderen Lokalwährungen versteckt weiter (Anleihenkurse). Large-Cap-Währungsrisiko: Eine sicher intuitive Annahme, aber wenn Du sie prüfst, wirst Du wohl festellen müssen, dass sie falsch ist.

Von Woody am 04.10.2012.
Hallo Anonymous,

erstmal vorweg: Sehr interessanter Hinweis auf Merton. Habe noch weitere wissenschaftliche Arbeiten, die darauf aufbauen, gefunden und grob überflogen. Die Mathematik übersteigt ein klein wenig meine zunehmend verbleichenden Kenntnisse aus den Mathevorlesungen an der Uni. Eine geschlossene Lösung für N Assets (N>2) mit unterschiedlichen erwarteten Renditen und Standardabweichungen bei vorgegebenen Transaktionskosten (bestehend aus einem Fixkosten- und volumenabhängigen Kostenanteil) habe ich aber nicht finden können. Ein kleines Problem ist auch, dass weder die erwartete Rendite noch die Standardabweichungen Konstanten sind. Da wird es schon schwierig. Spätestens bei der Betrachtung von einer risikolosen Anlage in Kombination mit 2 risikobehafteten Anlagen ist dann regelmäßig "Schluß mit lustig" und eine Monte-Carlo-Simulation soll dann Hinweise auf vernünftige Rebalance-Grenzen geben.

Dass Du meiner Aussage "Ob Rebalancing sich lohnt, hängt vom Zeitpunkt des Umschichtens, vom zukünftigen Kursverlauf der Einzelanlagen und sicher auch von den Transaktionskosten ab." so kategorisch widersprichst, verstehe ich allerdings nicht.
1.) Transaktionskosten:
Mit Transaktionskosten ist nicht jede beliebig kleine Umbuchung sinnvoll. Ich denke, da sind wir uns einig.
2.) Zukünftige Kursverläufe:
Sinken die Aktien vom Takatukaland immer weiter ab, bis Takatukaland pleite ist, so hat sich das regelmäßige Umschichten in Aktien von Takatukaland während des Dahinsiechens nicht gelohnt. (Ich weiß, dass wir beide implizit von Märkten reden, die dieses Risiko hoffentlich nicht aufweisen, aber unberücksichtigt lassen, möchte ich es dennoch nicht. Daher mein Hinweis auf zukünftige Kursverläufe.)
3.) Zeitpunkt der Umschichtung:
Steigt ein Depotanteil "plötzlich" um 10%, so mögen die Kriterien für ein sinnvolles Rebalancing erfüllt sein. Auch bei dem zwischenzeitlichen Anstieg um bereits 5% möge das Kriterium bereits erfüllt gewesen sein. Wäre es demnach sinnvoll gewesen auch schon bei der 5%-Abweichung tätig geworden zu sein? In dem Moment schon.
Im Rückblick zum Zeitpunkt des 10%-Anstiegs allerdings nicht mehr, da ja 2xTransaktionskosten (mit Fixkostenanteil) aufgetreten sind. Die Krux ist natürlich, dass wir immer erst hinterher wissen, was sinnvoll gewesen wäre.
Wie häufig muss ich also meine Anlageverteilung überprüfen? Einmal täglich, wöchentlich, monatlich, jährlich? Am 19.10.1987 wäre wohl mehrmals am Tag ein Rebalancen erforderlich gewesen, wenn beim Eintreten einer vordefinierten Schwelle gehandelt werden sollte.

Ich fände es übrigens ganz toll, wenn Du auf den Begriff des Erwartungsnutzens und seiner Optimierung nochmal eingehen könntest. Wenn ich Dich recht verstanden habe, optimiere ich durch Rebalancing weder das Risiko noch die Rendite. Beidem hast Du zumindest widersprochen. Mir fällt jetzt nicht mehr viel ein, was man bei der Geldanlage optimieren könnte.

Interessant finde ich bei den zahlreichen Fundstücken zu dem Thema im Netz (z.B. http://www.sparinvest.de/data/1307460/200812_ART_Rebalancing_ger_WEB.pdf), dass immer wieder recht primitive Vorgehensweisen (Einmal jährlich oder 5%-Schwelle) als relativ erfolgreich propagiert werden. Der mathematische Hokuspokus (ich meine das nicht abwertend!) weiß halt leider auch nicht, wie die Zukunft genau aussieht.

Wie gehst Du eigentlich konkret mit der Rebalancing-Frage um? Wie häufig überprüfst Du die Asset und wann schreitest Du ein? Hast Du Dir Grenzen in Abhängigkeit vom prozentualen Anteil im Depot definiert? Du scheinst Dir ja schon einige Gedanken gemacht zu haben - wäre schön, mehr dazu zu erfahren.

Von Anonymous am 04.10.2012.
Noch ein wichtiger Nachtrag: Das, was ich sage, darf man nicht mit dem Home-Bias verwechseln. Der durchschnittliche Anleger liegt fast alles (US: 94%, Japan: 98%, UK: 82%!) in seinem Wohnsitzstaat an. Das ist der Home-Bias... Dass man wegen Währungsrisiko, Steuer- und Kostenvorteilen den Wohnsitzstaat/region übergewichten soll, ist relativ unkontrovers...

Zum Seelenfrieden: Es ist doch typischerweise genau umgekehrt. Privatanleger scheuen sich wegen des Seelenfriedens sehr stark, Rebalancing zu betreiben, Wenn die Aktienkurse gesunken sind, dann verkaufen sie lieber, um ihre Verluste zu begrenzen. Sogar noch nachzukaufen ist da doch das Gegenteil des Seelenfriedens. Das ganze hat auch eine rationale Grundlage. Und zwar weil Leute irrigerweise ihr gesamtes Vermögen dem Anlagevermögen zurechnen. Ein wesentlicher Teil des Vermögens wird jedoch gerade in den späteren Jahren des Berufslebens zur Absicherung zukünftiger Basisaufgaben im Rentenalter benötigt ("Basisrenten-Lücke"), da diese quasi Verbindlichkeiten sind. Der muss erst vom Anlagevermögen abgezogen und nach den Prinzipien des Asset-Liability-Matchings angelegt werden, d.h. in der Regel inflationsindiziert. Leider gibt es den sehr weit verbreiteten Irrtum, man könne/dürfe die Rentenlücke mit riskanten Anlagen schließen, wenn man noch jung ist, weil riskante Anlagen angeblich über längere Zeiträume weniger riskant werden wüden (man könne Verluste "aussitzen"). Das führt dann zu der Überlegung von wegen Zielen und benötigter Rendite, so wie Du sie unter http://geldanlage.soeinding.de/content.php/Portfolio_Aufbauen_3 durchführst. Das ist leider kein umsichtiger Ansatz, sondern tauscht die Möglichkeit für Reichtum im Alter gegen ein Bankrottrisiko. Ich kann nur wiederholen: "Wenn ich nicht viel verdiene, kann ich mir einfach nicht viel leisten. Wenn das, was ich verdiene, gerade ausreicht, um (auch im Alter) die notwendigen Ausgaben abzudecken, dann ist das eben so." Alleine mit Spekulation wird man nicht reich, und ein langer "Anlagehorizont" ändert daran nichts. (Wie ich ja schon betont habe, gibt es keinen Anlagehorizont. Das gesamte Leben muss als stochastische Ganzheit betrachtet werden.)

Zum Kommer: Er ist sicher ein guter Einstieg, und weist gerade Privatanleger ganz entscheidend in die richtige Richtung. Aber er ist weit davon entfernt, der Weisheit letzter Schluss zu sein.

Von Anonymous am 04.10.2012.
Woody, was Du zu N>2, erwartete Rendite, Standardabweichung sagst, ist richtig. Da kommen wir dann eben in den Bereich der praktischen Kniffe, mit denen man diese Probleme mehr oder weniger elegant löst. Im wesentlichen ist die Diskussion mit Christoph z.B. eine Diskussion darüber, wie man die N>2 Assets auf N=2 reduziert. Andere Tricks sind, wie man die zukünftige erwartete Rendite und das Risiko abschätzt.

Zu den Transaktionskosten: Ob Rebalancing sich lohnt, hängt nicht von den Transaktionskosten ab. Nur, *wann* man Rebalancing durchführen sollte, hängt davon ab. Zumindest solange wir keine Sonderfälle betrachten, wie 50% Transaktionskosten. Zu zukünftigen Kursverläufen: Der Markt hat keinen zukünftigen Kursverlauf, sondern eine stochastische Wahrscheinlichkeitsverteilung über Möglichkeiten. Und daraus ergibt sich eine erwartete Rendite. Wäre die erwartete Rendite negativ, hätten wir eine Marktanomalie. Diese Situation kommt in der Praxis nicht vor. Der Kurs kann allerdings trotz konstant positiver erwarter Rendite trotzdem langfristig sinken, wenn das Risiko hoch ist. (Der Kursverlauf ist von der Entwicklungsrate bestimmt; die ergibt sich aus der geeigneten Verrechnung von Risiko und Rendite.) Dann kann Rebalancing sehr wohl sinnvoll sein (Stichwort Parrondo-Paradox). Nicht arithmetische und geometrische Rendite verwechseln!

Zum Zeitpunkt der Umschichtung: In der Theorie musst Du das kontinuierlich überwachen. In der Praxis will man Geldanlage hingegen als Rückhalt, für das Leben, nicht als Hindernis darin. Wenn Du nur einmal alle viertel Jahr nachschaust, genügt das auf jeden Fall. Einmal jährlich ist sicher auch noch okay. Die Prozenschwelle ist vollkommen orthogonal zum Überwachungsintervall. 5% dürfte bei günstigen Online-Brokern okay sein. Beim teuren Filialbankdepot können es aber auch 10% bis 20% sein. Wenn Du die Bank fragst, wird sie natürlich eher 5% als 10% sagen, also vorsicht. ;) Richtig: man den "mathematischen Hokuspokus" nicht, damit es funktioniert. Der "mathematische Hokuspokus" ist lediglich eine schlüssige Erklärung dafür, warum und wie es funktioniert. Man kommt mit Faustregeln sehr weit, wenn es die richtigen sind. Nur: Wie unterscheidet man, welche das sind? Dazu muss man eben doch die theoretischen Zusammenhänge überprüfen und kritisch abwägen. (Auch die Theorien natürlich; diese haben alle möglichen Defizite und stimmen in vielen Belangen nicht ganz mit der Wirklichkeit überein, und dann muss man eben praktische Kniffe finden. Und immer im Hinterkopf behalten.)

Das mit dem Erwartungsnutzen ist einfach nur das ökonomische Standardmodell. Dabei geht man davon aus, dass ein weiterer Euro mehr Nutzen hat, wenn man arm ist, als wenn man reich ist ("Grenznutzentheorie"). Die Funktion, die mir für jeden Vermögensstand den Gesamtnutzen angibt, nennt man die Nutzenfunktion. Und dann kann ich bei gegebener Nutzenfunktion eine Erwartungsnutzenoptimierung durchführen. Ist doch auch irgendiwe logisch: Eine reine Risiko-Rendite-Betrachtung gibt mir unendlich viele optimale Möglichkeiten (Tobin-Linie). Welche sollte ich denn davon auswählen? Die Antwort ist: Schau auf Deine Nutzenfunktion. Der Rest ergibt sich dann durch die Optimierungsüberlegung.

Wenn Du wegen all dem nun vollkommen verunsichert bist: Man macht auch keinen Fehler, wenn man nicht riskant anlegt. Ein REX-naher ETF oder eine Sparbriefleiter ist eine bequeme Sache. Selbst ein einfaches Online-Tagesgeldkonto ist weitaus besser als das, was der typische Privatanleger macht. Die klassische Überlegung ist leider die kostolanysche: Aktien kaufen und Schlaftabelette nehmen, und dann wacht man auf und ist reich. Sie ist falsch. Man kann auch aufwachen und viel verloren haben. Es ist riskant, und wird langfristig nicht weniger riskant. Reich(er) wirst Du, wenn Du a) mehr einnimmst (ein 400-EUR-Nebenjob ist eine tolle Sache; Weiterbildung + Karriere), und/oder b) weniger ausgibst, und c) Fehler vermeidest (u.a. Versicherungen für existenzbedrohende Risiken).

Von Woody am 04.10.2012.
Warum sollte ich verunsichert sein? Meine Meinung bezüglich Rebalancing, Asset Allocation, etc. ist nicht wirklich in ihren Grundfesten erschüttert worden :o). Es ist natürlich immer interessant, die Ansichten anderer zu verfolgen.

Schade übrigens, dass Du nichts zu Deinen Rebalancestrategien geschrieben hast. Ich bin immer noch gespannt, wie Du's konkret umsetzt.

Von Anonymous am 04.10.2012.
Woody, überhaupt so auf das Thema Rebalancing sich zu konzentieren ist schon falsch. Da steckt die falsche Philosophie dahinter, Geld als Wert an sich zu betrachten und Rebalancing als ein Schräubchen in einer Maschine, mit der man das angeblich erreichen kann. Geldanlage muss mit der Überlegung anfangen, wofür es ausgegeben werden soll. Sonst macht das ganz keinen Sinn und ist nur eine Religion bei der man einen Kontostand anbetet.

Auch Mertons Modell betont das. Denn neben der Wiederherstellung der Soll-Allokation muss demnach ja auch ein Teil in den Konsum gehen. Dieser Teil schwankt von Anlageperiode zu Anlageperiode, und zwar um so mehr, je riskanter Du anlegst. Überhaupt erst durch das Verkonsumieren wird das Modell dann halbwegs vollständig. Und dann sieht man auch erst, wo eigentlich das Risiko liegt: In den (während der gesamten Anlagedauer!) schwankenden, kapitalmarktabhängigen Konsumausgaben. D.h. wenn Du riskant anlegst, und diese Anlagen gehen im Wert nach unten, musst Du laut Merton sofort die Ausgaben runterschrauben.

Ich hoffe, Du bist Dir bewusst, dass sich die Asset-Allokation immer auf das Gesamtvermögen beziehen muss, nicht auf das Finanzvermögen. Humankapital und illiquides Vermögen müssen also berücksichtigt werden; stellen oft in jungen Jahren bei weitem die größten Posten dar.

Wenn Dich all das kein bisschen verunsichert, dann bist Du eine absolute Ausnahme. Denn all das sagt eigentlich deutlich: Im Zweifel lieber mal die Finger von riskanten Anlagen lassen, das ist alles nicht so einfach, wie es die populäre Hobbyinvestoren-Philosophie behauptet, die man mit dem Schlagwort "langfristiger Vermögensaufbau" zusammenfassen kann. Anleger haben eben nicht alle das eine gleiche Ziel, Reichtum zu erlangen, das dann alle gleichermaßen mit Rebalancing auf einem Portfolio zu erreichen versuchen, das man bei Maximierung der geometrischen Rendite ("Performance") erhält.

Zu den von Dir zitierten Rebalancing-Strategien habe ich schon gesagt, unter welchen Umständen sie okay sind.

Zu Strategien, die ich angeblich einsetze und wie ich sie angeblich konkret umsetze kann ich nur sagen: Kein Kommentar!

Von Woody am 04.10.2012.
"Wenn Du wegen all dem nun vollkommen verunsichert bist: Man macht auch keinen Fehler, wenn man nicht riskant anlegt."
"Wenn Dich all das kein bisschen verunsichert, dann bist Du eine absolute Ausnahme. Denn all das sagt eigentlich deutlich: Im Zweifel lieber mal die Finger von riskanten Anlagen lassen"
Entscheid Dich mal.
Anonymaus, Du kennst mich, meine finanzielle und private Situation nicht im Geringsten und glaubst mir erklären zu müssen, was ich alles falsch mache, worüber ich mir Gedanken machen sollte, worüber ich mir keine Gedanken machen sollte und das alles in einem Oberlehrertonfall. Ich empfinde das als persönliche Beleidigung.

Die Tatsache, dass ich mich HIER auf das Rebalancing konzentriere, sagt überhaupt nichts darüber aus, ob ich mich nicht schon sehr viel länger mit vielen grundlegenden Fragen der Geldanlage, Risikoabsicherung, Humankapital oder dem Entsparvorgang beschäftigt habe.
Es wäre halt mal spannend gewesen, ob Du Dir die "Blösse" gegeben hättest, etwas "eigenes" Preis zu geben. Aber damit wärst Du vielleicht angreifbar gewesen. Da ist es natürlich viel einfacher, Kommentare oder Blogeinträge nahezu grundsätzlich zu kritisieren. Legendär ist für mich Deine Kritik an der Präsentation des mathematischen Begriff der geometrischen Rendite wegen "Mental accounting". Selbst bei unstrittigen mathematischen Darstellungen suchst Du noch irgendwo ein Haar in der Suppe. Sehr schade für Christoph, der sich wirklich viel Mühe gibt und regelmäßig virtuelle Prügel von Dir bekommt.

Ich zweifle bei Dir eine gewisse Kompetenz in Fragen der Geldanlage nicht an, bei Sozialkompetenz (Stichwort Empathie) habe ich große Zweifel.

Christoph, Du hast einen interessanten Blog. Ich werde wohl wie bislang auch zukünftig passiv daran teilnehmen. Aktive Teilnahme ist mir unter diesen Umständen zu "anstrengend". Ich verabschiede mich und gebe damit die Bühne frei für die nächsten Beleidigungen.

Von Anonymous am 04.10.2012.
Woody, wenn meine allgemeinen, keineswegs an Dich persönlich gerichteten Aussagen und meine sachbezogene Kritik als persönliche Beleidigungen gesehen werden, dann bin ich hier in der Tat fehl am Platze. Hättet ihr mir früher gesagt, dass ich hier nicht erwünscht bin, hätte ich euch nicht so lange mit meinem "Oberlehrertonfall" belästigt. So mache ich es eben jetzt. Machts gut und viel Erfolg noch mit dem Blog -- ohne weitere Kommentare von mir.

Von Christoph (URL) am 05.10.2012.
Hallo Ihr beiden,
es ist zwar schade, daß Ihr Euch nicht auf einen gemeinsamen Kommunikationsnenner einigen wollt, aber noch mehr schade fände ich, wenn Ihr mir Eure Meinungen in Zukunft (deswegen!) vorenthalten möchtet.
Da kann ich Euch nur bitten, Euch das nochmal zu überlegen.

Denn wer Lust hat, ausschließlich meine Artikel zu kommentieren (und nicht die Kommentare anderer Gäste), der kann dann getrost den Tonfall eben dieser anderer Gäste ignorieren, oder?

In diesem Sinne würde es mich freuen, weiterhin von Euch zu hören.

Viele Grüße, Chritoph

Von Makrointelligenz (URL) am 23.10.2012.
Ich bin ein großer Fan von Diversifikation über
unterschiedliche Anlagekategorien und Regionen,
allerdings glaube ich, dass man bei Aktien schon
auch ein Auge auf die Bewertungen im langfristigen
Durchschnitt legen sollte und im Falle krasser
Ausreißer mal in Anlagen umschichten sollte, die
eher unterbewertet sind. Ich hab meine Philosophie
hier mal zusammengefasst:
http://makrointelligenz.blogspot.de/2012/10/wohin-
mit-dem-geld-investitionsmoglichk.html

Von Markus am 28.10.2012.
Christoph, kannst Du noch etwas zu Deinem Engagement in Rohstoff-Future-ETFs sagen? Mir ist nicht klar, wie genau dort eine langfristige positive Rendite erwirtschaftet wird. Für mich klingen Rohstoff-Futures nach einer Wette auf zukünftige Rohstoffpreise. Wenn ich es recht verstehe, profitiert man dabei nicht notwendigerweise von steigenden Preisen, sondern z.B. nur, wenn der Rohstoffpreis höher steigt als der Future-Preis am Tag, an dem man den Future gegen den nächsten ablöst. (Dass nur 10% in den Future bezahlt wird und 90% festverzinsliche Gewinne erwirtschaften kann, kann ja nicht der Grund für historisch gute Renditen sein.) Dass Rohstofffutures historisch nur wenig mit Aktien korreliert hat, ist zwar ein schönes Diversifikationsargument, aber mir fehlt die Klarheit, warum Rohstofffutures überhaupt ein signifikant höhere Rendite als Anleihen (resultierend aus der 90%-Anlage) haben sollen.
Kannst Du etwas Licht ins (bzw. in mein) Dunkel brigen? Ich würde ungern in etwas investieren, dass ich nicht halbwegs verstanden habe.

Von Christoph (URL) am 31.10.2012.
Hallo Markus,
diesen Kommentar hatte ich glatt übersehen; nun will ich etwas spät doch noch antworten:
Zunächst: das Rohstoffinvestment, das ich habe, ist die einzige Position in meinem Depot, die mir selbst noch ein wenig Rätsel aufgibt. Ich habe das im Detail nie verstanden, sondern glaube lediglich deswegen an die Sinnhaftigkeit, weil ich halbwegs plausible Argumente aus halbwegs vertrauenswürdigen Quellen habe (klingt nicht gerade toll, ich weiß).
Ich möchte Dir hier ein paar Stichpunkte geben, wie ich die Sache verstehe:
- Rohstoffinvestments an sich (also echte Rohstoffe, keine Futures) haben eine erwartete Rendite in Höhe der Inflation.
- Die Streuung über mehrere Rohstoffe mit regelmäßigen Rebalancing bringt etwas Mehrertrag, wenn (dieses wenn müsste man eigentlich fett schreiben) Rohstoffpreise auf lange Sicht gesehen tatsächlich so etwas wie Regression zum Mittelwert aufweisen.
- Rohstofffuteres bringen eine Mehrrendite, weil Rollgewinne angeblich häufiger sein sollen als Rollverluste. Dies ist übrigens genau der Punkt, den ich nichtmal ansatzweise verstehe. Es war aber kein geringerer als John Maynard Keynes, der diese "Theroy of normal backwardation" aufgestellt hat.

Nun, ich bin geneigt, wenn auch nicht überzeugt, den letzten Punkt zu glauben. Was mich allerdings überzeugt sind die Vorteile der Diversifikation gegenüber anderer risikoreicher Assets, des kurzfristigen Schutzes vor unerwarteter Inflation sowie eine Zusatzrendite durch Diversifikation und Rebalancing, weil ich jetzt einfach mal davon ausgehe, daß nicht einzelne Rohstoffpreise über Jahrzehnte hinweg die gleiche Richtung nehmen werden.

Und nun bin ich natürlich gespannt, ob Dich das halbwegs überzeugt hat. Oder hast Du (oder jemand anderes) Gegenargumente? Oder kommt Dir das alles einfach immer noch suspekt vor?

Viele Grüße, Christoph

Von Markus am 02.11.2012.
Hallo Christoph,
danke für den Erklärungsversuch. Überzeugt bin ich leider wirklich nicht. Mir ist einfach nicht klar, woher die Gewinne kommen sollen. Unternehmen erwirtschaften Gewinne (-> Aktien), verliehenes Geld "erzeugt" Zinsen (-> Anleihen), aber ein Klumpen Gold ist ja erstmal nur ein Klumpen Gold. Wenn ich den in den Schrank lege und nach einer Zeit aus dem Schrank hole, bedarf es ja eines Käufers der glaubt, dass der Klumpen Gold mehr wert ist. Die Inflation mag da noch "irgendwie" Rohstoffen erklärbar sein, da die sich die Preissteigerung z.B. bei Vieh oder Weizen im Rohstoff wiederspiegelt. Aber das ist ja bei Rohstoff-Futures nur ein Aspekt. Dass Rebalancing zwischen schwankenden Rohstoffen einen Gewinn erzeugen kann, leuchtet mir auch noch halbwegs ein. Aber die Rollgewinne, die aus "normalem Backwardation" resultieren, wollen mir einfach nicht klar werden. Wenn ich die Theorie recht verstehe, so geht der Future-Trader ja davon aus, dass er den zukünftigen erwarteten Spotpreis des Rohstoffs "erraten" kann und dann einen Future abschließt bei dem der Futurepreis unterhalb des erwarteten Spotpreis liegt. Tritt dieser Fall ein, erzielt er einen Rollgewinn.

(Also als Beispiel für mein Verständnis: Heutiger Weizenpreis: 10$, zukünftiger erwarteter (z.B. in 1 Monat) Weizenpreis ist 11$. Es wird demnach ein Future aufgesetzt, in dem der Futurepreis unter 11$ liegt, z.B. 10,70$. Tritt das erwartete Szenario ein, also Weizenpreis steigt auf 11$, so verkauft der Trader den Future zum Preis von 11$ und gewinnt somit 0,30$. Anschließend schließt er einen neuen Future ab, mit ähnlichen Kriterien.)
Ist mein Verständnis bis hierhin korrekt? Falls ja, frage ich mich:
1.) Ist das Erraten des zukünftigen d.h. erwarteten Spotpreis nicht "Glaskugellesen"? Der Rollgewinn ist ja nur über den vom Spotpreis abgeleiteten Futurepreis erzielbar. Wäre nicht eine 50:50-Chance zu erwarten und somit ein Nullsummenspiel der Fall?
2.) Wenn ein Rollgewinn gemacht wird, muss es ja auch jemanden geben, der einen Verlust macht. Jemand muss also im o.g.Beispiel 0,30$ verlieren. Wer ist das? Der Rohstoffproduzent? Und warum ist er dazu bereit? Erwartet er einen anderen zukünftigen Spotpreis und hat sich "verzockt"? Oder hat er lieber den Spatz in der Hand (10,70$) als die Taube auf dem Dach (11$)?

Viele Grüße
Markus

Von Christoph (URL) am 06.11.2012.
Hallo Markus,
erstmal ja, richtig, der Goldklumpen liegt nur rum und leistet nichts. Und deswegen ist seine reale erwartbare Rendite null. Aber immerhin: Inflationsausgleich ist ja schonmal was.
Dann kommt wahrscheinlich eine Rendite durch Rebalancing hinzu, falls wir an sowas wie Regression zum Mittelwert glauben.

Mit der "normal Backwardation", da kann ich mich nur wiederholen, habe ich auch so meine Verständnisprobleme. In einer Studie habe ich mal gelesen, daß man als Future-Inhaber eine Art Versicherungsprämie kassiert, weil man dem Counterpart einen festen Verkaufspreis garantiert.
Da ein solches Geschäft aber beidseitig funktioniert, und wir dadurch ja auch eine Art Versicherung haben, verstehe ich das Argument einfach nicht. Und weil uns das wohl beiden so geht, brauchen wir an dem Punkt glaube ich auch gar nicht weiter diskutieren (zwei Dumme (sorry!) ergeben halt keinen schlauen) - schade, aber ist halt erstmal so.
Da gibts eigentlich nur drei Möglichkeiten: weiter recherchieren, bis man es verstanden hat (habe ich aufgegeben), einfach mal glauben (dahin tendiere ich zur Hälfte), oder halt mangels Verständnis ablehnen (dahin tendierte ich bis vor einigen Monaten). Oder ignorieren, weil man mit Inflationsausgleich + Rebalancing-Renditechance in Kombination mit Diversifikation auch schon zufrieden ist (dahin tendiere ich zur anderen Hälfte).

Wenn hier irgendjemand mitliest, der diesbezüglich die Erleuchtung hat, möge er sich hiermit zum Antworten aufgerufen fühlen :-)

Noch eine Anmerkung: mit Glaskugelleserei und 50:50 - Chance soll das ganze eben angeblich nichts zu tun haben, deswegen ja Theorie of "normal" backwardation: hört sich für mich so an, als wären die Chancen eben irgendwo bei 55:45 oder 60:40 oder so. Nur wie gesagt: frag nicht mich, warum.

Viele Grüße, Christoph

Von Markus am 06.11.2012.
Hallo Christoph,
danke für die ehrliche Rückmeldung. Ich hoffe, es fühlt sich tatsächlich noch jemand berufen, unsere Unwissenheit aufzuklären. Ich wüsste schon gerne, ob mein Verständnis zur Preisbildung (Weizen-Beispiel) soweit korrekt ist. Wenn dem so wäre, wäre mir übrigens der Aspekt der Inflationskompensation noch unklarer, denn ein erwarteter Inflationsanstieg würde ja nicht kompensiert. Nur unerwartete Anstiege würden ja im Future zu einem Gewinn führen.
Viele Grüße, Markus


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